XRechnung 4.0: Was sich ändert und wann mit der neuen Version zu rechnen ist

Christian Brestrich • 21. September 2026

Seit dem 15. September 2026 liegt eine Vorversion der Spezifikation XRechnung 4.0.0 vor. Sie ermöglicht eine frühzeitige fachliche Analyse, ist aber noch nicht für den produktiven Einsatz vorgesehen. Für das vollständige technische Bundle nennt die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) inzwischen das Frühjahr 2027 als voraussichtlichen Veröffentlichungszeitraum.

Die europäische Grundlage: EN 16931-1:2026

XRechnung ist eine nationale Ausgestaltung – eine sogenannte Core Invoice Usage Specification, kurz CIUS – der europäischen Norm EN 16931. Die Norm bestimmt das semantische Datenmodell einer elektronischen Rechnung: Sie beschreibt, welche Angaben eine Rechnung enthalten kann oder muss, wie diese Angaben fachlich definiert sind und in welcher Beziehung sie zueinander stehen.

Die neue EN 16931-1:2026 wurde im März 2026 von CEN verabschiedet und nach Angaben der Europäischen Kommission im Mai 2026 veröffentlicht. Inzwischen liegt auch die deutsche Übernahme als DIN EN 16931-1:2026-10 vor.

Gegenüber der bisherigen Norm enthält das neue Datenmodell mehr als 50 zusätzliche Business Terms und sieben neue Business Groups. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören detailliertere Lieferinformationen, neue Angaben zu Skonto, Verzugszinsen und Fremdforderungen sowie die Möglichkeit, XML-Anhänge zu übermitteln.

Besonders praxisrelevant ist die Auflösung der bisher sehr strengen Beziehung „eine Bestellung – eine Lieferung – eine Rechnung“. Künftig kann eine Rechnung mehrere Bestellungen und Lieferungen umfassen. Damit lässt sich das Datenmodell besser für komplexe Abrechnungsprozesse in Wirtschaft und Verwaltung einsetzen.

Zugleich wurde die Norm mit Blick auf die deutsche B2B-E-Rechnungspflicht und die europäische Initiative „VAT in the Digital Age“ – ViDA – weiterentwickelt. EN 16931-1:2026 bildet somit die fachliche Grundlage für die nächste Generation europäischer E-Rechnungsformate.

Von der europäischen Norm zur XRechnung 4.0

Die Veröffentlichung des semantischen Datenmodells allein reicht noch nicht aus, um Rechnungen nach XRechnung 4.0 produktiv erzeugen und prüfen zu können. Dafür werden weitere technische Komponenten benötigt.

Die Syntaxbindings legen fest, wie die fachlich definierten Business Terms und Business Groups konkret in den unterstützten XML-Syntaxen UBL und UN/CEFACT CII abzubilden sind. Sie bestimmen beispielsweise, in welchem XML-Element eine Information steht, welche Attribute verwendet werden und wie oft ein Element vorkommen darf.

Die Validierungsartefakte machen die Anforderungen anschließend maschinenlesbar prüfbar. Dazu gehören insbesondere Schematron-Regeln, mit denen Pflichtangaben, Abhängigkeiten, Berechnungen und zulässige Codes kontrolliert werden. Hinzu kommen die XML-Schemata der jeweiligen Syntax. Erst aus dem Zusammenspiel von Datenmodell, Syntaxbindings, europäischen Validierungsregeln und den zusätzlichen deutschen XRechnung-Regeln entsteht ein vollständiges, implementierbares Regelwerk.
Die europäischen Syntaxbinding-Dokumente wurden inzwischen veröffentlicht. Noch ausstehend sind die CEN-Validierungsartefakte. Erst nach deren Veröffentlichung kann KoSIT die technischen Komponenten für XRechnung 4.0 finalisieren und das produktive Bundle bereitstellen.

Der derzeitige Veröffentlichungsplan

Nach dem aktuellen Stand der KoSIT vom 21. September 2026 ergibt sich folgender Ablauf:
– Die EN 16931-1:2026 und ihre deutsche Übernahme DIN EN 16931-1:2026-10 sind veröffentlicht.
– Die Vorversion der Spezifikation XRechnung 4.0.0 wurde am 15. September 2026 veröffentlicht.
– Diese Vorversion ist ausdrücklich nicht für den produktiven Einsatz vorgesehen. Sie ermöglicht jedoch bereits eine fachliche Analyse.
– Die europäischen Syntaxbinding-Dokumente liegen inzwischen vor; die CEN-Validierungsartefakte stehen noch aus.
– Das vollständige Bundle XRechnung 4.0 soll nach derzeitiger Planung im Frühjahr 2027 veröffentlicht werden.
– Ein verbindliches Tagesdatum für Veröffentlichung oder Inkrafttreten wurde bislang nicht genannt.

Die frühere Planung „Mitte bis Ende 2026“ ist damit überholt. Der aktuelle Zielzeitraum für das finale Bundle ist das Frühjahr 2027. Maßgebliche Abhängigkeit sind nun insbesondere die noch ausstehenden CEN-Validierungsartefakte.

Übergang von der bisherigen zur neuen Norm

Für die europäische Norm ist eine längere Übergangsphase vorgesehen. Nach Angaben der KoSIT sollen die bisherige und die neue Fassung der EN 16931-1 bis März 2029 parallel genutzt werden können. Die konkreten Übergangsfristen für XRechnung 3.x und XRechnung 4.0 werden innerhalb dieses Rahmens festgelegt und mit der Veröffentlichung des produktiven XRechnung-4.0-Bundles bekannt gegeben.

Aktuell bleibt daher XRechnung 3.0.2 die maßgebliche produktive Fassung. Da es im Sommer 2026 kein normatives Release, sondern lediglich ein Bugfix-Bundle gab, bleibt XRechnung 3.0 nach KoSIT-Angaben mindestens bis zum 31. Juli 2027 in Kraft. Die Vorversion von XRechnung 4.0 darf nicht für die produktive Rechnungsstellung verwendet werden.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Eine sofortige produktive Umstellung ist weder möglich noch erforderlich. Hersteller und Betreiber von E-Rechnungslösungen können die veröffentlichte Vorversion jedoch bereits auswerten. Besonders wichtig ist die Prüfung, welche Auswirkungen die neuen Datenfelder und Strukturen auf Quellsysteme, Stammdaten, Schnittstellen, Mappingregeln und nachgelagerte Prüf- und Buchungsprozesse haben.

Für eine belastbare Projektplanung sollten Unternehmen drei Meilensteine getrennt betrachten: die fachliche Vorabversion, das vollständige technische Bundle und den späteren Beginn der produktiven Gültigkeit. Erst mit dem Bundle werden alle notwendigen Grundlagen für Implementierung und Tests vorliegen; erst die angekündigten Übergangsregelungen bestimmen, ab wann XRechnung 4.0 tatsächlich eingesetzt werden soll oder muss.

Fazit

XRechnung 4.0 ist mehr als ein gewöhnliches Versionsupdate. Die neue Version setzt ein deutlich erweitertes europäisches Datenmodell um und wird bestehende Erstellungs-, Validierungs- und Verarbeitungsprozesse teilweise grundlegend verändern. Mit EN 16931-1:2026 ist die fachliche Basis veröffentlicht, die Vorversion der deutschen CIUS liegt ebenfalls vor und die europäischen Syntaxbindings sind verfügbar. Für die produktive Umsetzung fehlen jedoch noch die CEN-Validierungsartefakte und das darauf aufbauende technische XRechnung-Bundle.

Der nächste konkrete Schritt ist die Fertigstellung des technischen Bundles. KoSIT erwartet dessen Veröffentlichung derzeit im Frühjahr 2027; ein verbindliches Tagesdatum steht noch aus. Bis dahin bleibt XRechnung 3.0.2 der geltende Standard.